Auf den ersten Blick lassen sich Low-Code und No-Code leicht verwechseln – allein schon, weil sie so ähnlich klingen. Selbst großen Analystenfirmen scheint die Unterscheidung schwer zu fallen. Gartner etwa betrachtet „No-Code“-Applikationsplattformen als Teil der Low-Code-Sphäre und wirft im Magic Quadrant for Enterprise Low-Code Application Platforms, 2019 (LCAP) beide zusammen in einen Topf.

Es gibt jedoch eine Reihe von signifikanten Unterschieden zwischen Low-Code- und No-Code-Plattformen. Wenn Sie erwägen, sich von der traditionellen Applikationsentwicklung zu verabschieden oder auch visuelle Applikationsentwicklung nur einmal ausprobieren möchten, sollten Sie sich bewusst sein, was die einzelnen Angebote umfassen.

Was ist Low-Code und wie nutzt man ihn?

Beginnen wir mit Low-Code. Low-Code-Entwicklung ermöglicht Entwicklern, Applikationen schnell und mit einem Minimum an manueller Programmierung zu entwickeln. Wir verwenden Low-Code als Substantiv, ebenso wie Python oder C#. Im Englischen nutzen wir „low-code“ zudem auch als Verb, um die Art und Weise der Applikationsentwicklung zu beschreiben. Denn bei der Entwicklung Ihrer Apps nutzen Sie weniger handgeschriebenen Code als sonst.

Die Verwendung einer Low-Code-Plattform ähnelt insofern einer IDE, als dass sie Funktionen enthält, die die Arbeitsweise von Entwicklern und die benötigten Tools ergänzen. Zugleich bietet sie viel mehr als eine traditionelle IDE. Sehr einfach ausgedrückt, platzieren Sie visuelle Blöcke von vorhandenem Code per Drag-and-Drop in einen Arbeitsablauf und erstellen so Applikationen. Da Low-Code die traditionelle Methode der manuellen Programmierung einer App vollständig ersetzen kann, können erfahrene Entwickler effizienter und schneller arbeiten. Denn sämtliche repetitive Programmierung entfällt. Stattdessen können Entwickler sich darauf konzentrieren, jene 10 Prozent einer Applikation zu erstellen, die für ein einzigartiges Erlebnis sorgt.

Low-Code vs. No-Code

Die Alternative besteht darin, Tausende Zeilen komplexen Code und Syntax zu schreiben (und sie dann zu debuggen). Indem Sie dies überspringen und Applikationen visuell erstellen, können Sie diese mindestens 10-mal schneller entwickeln und Ihre Entwickler optimal einsetzen.

Aus diesem Grund erwartet Gartner auch, dass der Low-Code-Markt bis 2024 für mehr als 65% der Applikationsentwicklung verantwortlich sein wird.

Low-Code im Überblick

Man könnte einen ganzen Blogpost über die Vorteile von Low-Code schreiben – wie wir es hier getan haben. An dieser Stelle wollen wir uns auf die wichtigsten Vorteile der Low-Code-Entwicklung konzentrieren. Anschließend schauen wir uns an, was No-Code kann.

Die Vorteile im Überblick:

  • Geschwindigkeit: Mit Low-Code können Sie Apps für mehrere Plattformen gleichzeitig erstellen und Stakeholdern innerhalb von Tagen oder sogar Stunden funktionsfähige Beispiele präsentieren.
  • Mehr Ressourcen: Wenn Sie an einem großen Projekt arbeiten, müssen Sie mit Low-Code nicht mehr darauf warten, dass Entwickler mit speziellen Kompetenzen ein anderes langwieriges Projekt abgeschlossen haben. Das bedeutet schnellere und kostengünstigere Ergebnisse.
  • Niedriges Risiko/hoher ROI: Mit Low-Code sind robuste Sicherheitsprozesse, Datenintegration und plattformübergreifende Unterstützung bereits eingebaut und können leicht angepasst werden. Das bedeutet weniger Risiko und mehr Zeit, um sich auf Ihr Geschäft zu konzentrieren.
  • Schnelle Bereitstellung: Ein Launch kann nervenaufreibend sein. Mit Low-Code stellen Folgenabschätzungen vor der Bereitstellung sicher, dass Ihre Apps wie vorgesehen funktionieren. Sollte es unerwartete Verhaltensweisen geben, können Sie Änderungen mit einem einzigen Klick rückgängig machen.

Und was ist No-Code?

No-Code-Lösungen sind für Citizen Developer konzipiert, die keine Programmiersprachen beherrschen müssen, um das Produkt zu verwenden. No-Code-Anbieter haben bereits alles in das Tool integriert, was ein Anwender ihrer Ansicht nach zum Erstellen einer Applikation benötigt. No-Code-Lösungen ähneln populären Blogging-Plattformen und Unternehmen für E-Commerce-Websites – sie bieten vorgefertigte Seiten, mit denen Sie Ihren Blog oder Ihr Geschäft in wenigen Minuten starten können.

Applikationen, die mit No-Code-Tools erstellt wurden, sind jedoch in der Regel sehr schwer anpassbar und haben keine einzigartige Funktionalität. Das kann problematisch sein, wenn Sie Herausforderungen im Bereich digitale Modernisierung lösen müssen. Außerdem wurden die meisten No-Code-Plattformen ursprünglich für einzelne Geschäftsprobleme wie Business Process Management entwickelt.

Was also ist der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code?

Es gibt Hunderte Details und Funktionen, die Low-Code-Plattformen von No-Code-Lösungen unterscheiden. Die meisten von ihnen sind auf der UI-Ebene nicht sichtbar. Daraus resultiert auch oft die Verwirrung zwischen beiden.

Doch wenn wir uns strikt auf den Akt der Applikationsentwicklung beschränken, können bestimmte Arten von Anwendern und was sie entwickeln müssen die Entscheidung zwischen Low-Code und No-Code beeinflussen.

  • No-Code-Lösungen richten sich ausschließlich an Geschäftsanwender oder Citizen Developer. Der größte Vorteil von No-Code-Plattformen ist, dass sie sehr wenig Training erfordern. So kann jeder in Ihrer Organisation, der über einen technischen Hintergrund verfügt, in kurzer Zeit Business-Applikationen erstellen. Der Nachteil: Genau dies kann Schatten-IT begünstigen – eine Situation, in der Apps ohne angemessene Aufsicht oder Vorsicht entwickelt werden. Dies kann zu Sicherheitsrisiken, Compliance-Problemen, Integrationsproblemen und schlecht gestalteten Apps führen. Im besten Fall verbrauchen sie mehr Ressourcen als nötig, im schlimmsten Fall schrecken sie User ab.
  • Low-Code ist sowohl für Geschäftsanwender als auch für professionelle Entwickler gedacht. Für Geschäftsanwender bietet die Erstellung nützlicher und gut gestalteter Apps unter der erfahrenen Anleitung der IT-Abteilung die Vorteile eines erweiterten IT-Teams – mit Kontrolle und Governance. Für professionelle Entwickler bedeutet die Möglichkeit, mit einem visuell-basierten Modellierer schneller und effizienter zu arbeiten und bei Bedarf manuell zu programmieren, dass der ständige Backlog von benötigten Applikationen abnimmt, während der Geschäftswert der IT-Abteilung steigt.

Low-Code vs. No-Code: Wann nutzen Sie was?

Sowohl Low-Code- als auch No-Code-Plattformen sind mit dem gleichen Ziel entwickelt worden: Agilität. Und obwohl sie von weitem betrachtet ähnlich aussehen, verfolgen beide sehr unterschiedliche Zwecke.

Low-Code eignet sich gut für die Entwicklung anspruchsvoller Applikationen, die wichtige, oft unternehmenskritische Prozesse im Kern Ihres Unternehmens ausführen. Darüber hinaus eignet er sich auch gut für die Entwicklung eigenständiger mobiler und Web-Applikationen, die möglicherweise anspruchsvolle Integrationen erfordern. Eigentlich kann Low-Code für so gut wie alles verwendet werden.

Umgekehrt bedeuten die Beschränkungen von No-Code, dass dieser nur für Front-End-Anwendungsfälle verwendet werden sollte.

Dennoch gibt es in einem modernen Unternehmen Platz für beides oder zumindest für eine Kombination aus beidem. Und für alle, die mit DevOps arbeiten – einer anderen Methodik, die auf eine größere Agilität bei der Entwicklung abzielt –, könnte die Kombination aus Low-Code und No-Code die perfekte Umgebung für die Applikationsentwicklung darstellen.

In einer Welt, in der alles schneller gehen muss, können sowohl Low-Code- als auch No-Code-Plattformen einen Wettbewerbsvorteil für Entwickler und ihre Organisationen darstellen. Sobald Sie nicht nur die einfachsten Applikationen mit wenig Anpassungsaufwand benötigen, wird Low-Code immer die bessere Option sein.

Low-Code bietet mehr Flexibilität und Kontrolle. Das bedeutet, dass Sie vielfältigere, leistungsfähigere und reaktionsfähigere Applikationen erstellen können. Zugleich können diese Apps deutlich schneller bereitgestellt und ausgeführt werden, als wenn Sie sie manuell programmieren würden. Dabei erfordert Low-Code noch immer ein gewisses Maß an Programmierkenntnissen. So können Sie sicher sein, dass diejenigen, die Ihre Apps erstellen, wissen, was sie tun. Ihre neuen Apps werden Ihnen keine Kopfschmerzen aufgrund von Sicherheitsrisiken oder Compliance-Problemen bereiten.

OutSystems für Low-Code-Applikationsentwicklung

Die Low-Code-Entwicklungsplattform von OutSystems deckt das gesamte Spektrum der Anwendungsfälle in Unternehmen für Mobile, Web und Core-Systeme ab. Wir verfügen über eine große Bibliothek von Designvorlagen, die Entwicklern verwenden können. Sie können aber auch eigene erstellen und sie auf die Applikationen anwenden, die Sie mit unseren Tools erstellen.

Möchten Sie sehen, wie einfach es sein kann, ansprechende und reaktionsfähige digitale Erlebnisse für mobile Apps, Web-Applikationen oder beides zu erstellen? Unsere Seite zum Thema digitale Kundenerlebnisse enthält weitere Informationen zu diesem Thema. Und wenn Sie die Stärken und Schwächen der 18 führenden Low-Code-Anbieter evaluieren möchten, hilft Ihnen der aktuelle Gartner-Report weiter.

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