Anfang 2018 hat SAP angekündigt, dass Unternehmen, die ein SAP ERP nutzen, sofern noch nicht geschehen bis 2025 zu SAP S/4HANA migrieren müssen. Der Hauptgrund hierfür ist die Datenbankkompatibilität: S/4HANA funktioniert nur mit der SAP-HANA-Datenbank, ebenso wie alle nachfolgenden SAP-Versionen. Frühere Versionen der Software konnten auf einer Vielzahl von Datenbanken verwendet werden. Die bekannteste von ihnen ist Oracle.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was diese Ankündigung bedeutet, welche Migrationsoptionen es gibt und wie Sie den richtigen Weg für Ihr Unternehmen wählen.

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Eine SAP S/4HANA-Migrationsstrategie in Betracht ziehen: Was bedeutet das?

Kritische Beobachter haben diese Ankündigung als eine weitere Maßnahme von SAP eingestuft, Oracle, Microsoft und Salesforce herauszufordern. Andere Branchenanalysten vertreten die Ansicht, dass es sich nicht auszahlt, die Kunden zur Migration zu zwingen. SAP hält dem entgegen, dass die Kunden mit SAP 4/HANA einen größeren Nutzen und mehr Effizienz erzielen werden. Was auch immer der Grund sein mag – die Konsequenzen sind real und werden langfristige Auswirkungen haben.

SAP hat Hunderttausende Kunden, und über 75% des weltweiten Transaktionsumsatzes werden über ein SAP-System abgewickelt. Vor diesem Hintergrund ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass SAP auch in Ihrem Unternehmen ein integraler und wichtiger Bestandteil ist. Um weiterhin von SAP zu profitieren, wird Ihr Unternehmen ein Projekt in Angriff nehmen müssen, das Jahre dauern kann und Folgendes umfasst:

  • Mapping und Prototyping wichtiger Geschäftsprozesse für die Migration.
  • Analyse des SAP-Systems und seiner individuellen Anpassungen wie Tabellen, Programme, Frontends und mobile Applikationen und Benutzeroberflächen, um zu entscheiden, was übernommen werden muss und wie dies realisiert werden kann.
  • Anpassung von Legacy-Applikationen, die nicht mit S/4HANA kompatibel sind.

Dabei ist es möglich, dass der Migrationsprozess mehrere Jahre dauert, Hunderte Millionen kostet und zusätzliche qualifizierte Ressourcen aus einem relativ kleinen Pool an Talenten erfordert. Und es kann sein, dass der Geschäftsbetrieb während des Migrationsprozesses unterbrochen wird. Dies sind keine gute Nachrichten in einer Zeit, in der die Nachfrage nach innovativen Geschäftsapplikationen sehr hoch ist – und bereits 65% der meisten Applikationsentwicklungsprojekte der Instandhaltung dienen.

Dennoch gibt es keinen Grund, den Mut zu verlieren. Denn die Migration hat auch viele positive Seiten. Laut Bewertungen auf Capterra, G2 Crowd und TrustRadius bietet SAP S/4HANA eine Reihe von Vorteilen für Geschäftsprozesse und IT, wie z. B. Stabilität, Geschwindigkeit, Echtzeit-Reporting und ein reichhaltiges Funktionsangebot. Darüber hinaus gibt es mehr als nur eine Möglichkeit, die Migration zu realisieren. 

Welche Optionen gibt es für die SAP S/4HANA-Migration?

Obwohl die Experten von SAP und anderen führenden Technologieunternehmen etliche Möglichkeiten nennen können, wie sich der Umstieg auf S4/HANA bewerkstelligen lässt, werden drei davon häufiger empfohlen als andere.

Greenfield-Ansatz

Diese Option ist streng genommen keine wirkliche Migrationsmethode. Vielmehr handelt es sich um eine von Grund auf neue Implementierung von S/4HANA. Der Begriff „Greenfield“ stammt aus der Architektur und dem Umweltingenieurwesen und bedeutet, dass auf einem unbebauten Grundstück neu begonnen wird. Für S/4HANA heißt das: Entweder werden ausschließlich Daten migriert oder es wird überhaupt nichts migriert. Etwaige vorhandene Anpassungen am Altsystem werden stillgelegt, Prozesse konsolidiert und optimiert.

Vollständige Migration

In diesem Video über die S/4HANA-Migration bezeichnet Roy van de Kerkhof, Senior SAP Architect bei NovioQ, diese Option als „den SAP-Weg“. Dabei handelt es sich um eine vollständige Konvertierung eines bestehenden SAP-Systems auf SAP S/4HANA. Dieses Vorgehen wird oft als „Lift-and-Shift“ bezeichnet. In diesem Szenario wird der SAP-Software-Update-Manager genutzt, mit einer Migrationsoption für Datenbanken für alle Unternehmen, die SAP HANA nicht als Datenbank nutzen. Um dieser Anwendungsanpassung gerecht zu werden, können Unternehmen die SAP-Cloud und Entwicklungs-Tools von SAP-Partnern nutzen.

Hybride Migration

Auch diese Option nennt Roy van de Kerkhof im Video. Er beschreibt sie als Analyse des aktuellen SAP-Systems und Identifizierung der kundenspezifischen Applikationen, Funktionen und Schnittstellen, die nicht Teil des SAP-Standards sind. Vor der Migration können Unternehmen eine Low-Code-Plattform nutzen, um die nicht zum Standard gehörenden Teile und Applikationen des Systems zu erstellen. Durch diesen Prozess wird das SAP-System vorab von den Teilen bereinigt, die die Migration erschweren könnten. Danach nutzt Ihr Unternehmen S/4HANA für das, was SAP am besten kann – Enterprise Ressource Planning – und andere Applikationen für Aufgaben, die darüber hinausgehen.

Welche Option ist die beste?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Vielmehr hängt die Option der Wahl von der Art des Unternehmens und dem aktuell genutzten SAP-System ab.

Unternehmen mit jahrzehntealten SAP-Systemen

Wenn Unternehmen über SAP-Systeme verfügen, die 20 Jahre oder älter sind, ist Greenfield aufgrund der Komplexität, die durch das Alter und die jahrelangen Anpassungen verursacht wurde, wahrscheinlich die beste Option. Sie können die Umstellung auf die Technologie als Anlass nutzen, um ihre Prozesse von Grund auf neu zu definieren. Ziel ist es, sie zu überarbeiten oder aufzufrischen, um sie effizienter zu machen.

Die Nachteile sind hierbei die höhere Investition in eine völlig neue Implementierung und eine vollständige, meist Waterfall-basierte Analyse des bestehenden Systems und der Prozesse, die überarbeitet werden müssen. Obwohl die Greenfield-Option die Möglichkeit bietet, das alte System zu betreiben, während das neue installiert wird, kann es dennoch zu einer Unterbrechung des Geschäftsbetriebs kommen. Eine Umfrage von LeanIX und PwC aus dem Jahr 2018 zeigt aber, dass sich Unternehmen durchaus für diesen Weg entscheiden.

One-Stop-Shopper

Die vollständige Migration eignet sich am besten für „Vollblut-SAP-Kunden“, die nahezu jedes SAP-Tools in Einsatz haben. Diese Unternehmen schätzen es, wenn ihnen eine vollständige Suite an SAP-Lösungen für die Migration und Partnerlösungen für die Erstellung moderner Applikationen zur Verfügung steht. Warum sich die Mühe machen, die Angebote mehrerer Anbieter zusammenzufügen und die Datenkonsistenz zu gewährleisten, wenn dies gar nicht zwingend erforderlich ist?

Die Nachteile sind die Bindung an einen Anbieter, womit es keine elegante Ausstiegsmöglichkeit gibt, wenn sich die Technologie ändert, keine Anpassungsmöglichkeit der Benutzeroberfläche auf der letzten Meile besteht und keine granulare Parametrisierung von Workflows und Daten möglich ist. Außerdem besteht bei dieser Methode von den drei vorgestellten Optionen das größte Risiko einer Unterbrechung des Geschäftsbetriebs.

Pulverisierer

„Pulverisierer“, wie Paulo Rosado, CEO von OutSystems, sie beschreibt, sind Unternehmen, welche die besten Aspekte, Funktionen, Applikationen und Datensätze, die einzigartig für ihr Unternehmen sind, integrieren wollen, um passgenaue Lösungen und beeindruckende Kundenerlebnisse zu schaffen. Die hybride Migration ist für sie am besten geeignet, da sie es erlaubt:

  • Anbieterunabhängigkeit zu bewahren
  • eine bestimmte Menge an Ressourcen für Innovation auszugeben statt für eine umfassende Systemimplementierung
  • die Agilität zu sichern, um auf zukünftige Änderungen bezüglich Technologie und Markt reagieren zu können

Um diese Ziele zu erreichen, braucht es nur die richtige Low-Code-Plattform – eine, die sich für den Unternehmenseinsatz eignet, von SAP zertifiziert ist und SAP-Konnektoren sowie -Integrationen bietet.

Der kleine Nachteil ist, dass die Migration auf S/4HANA damit vorherbestimmt ist. Da jedoch nur der Standard von SAP übertragen werden muss und nicht alles, was damit zusammenhängt, ist dies kein so großes Unterfangen wie eine komplette Umstellung oder eine völlig neue Implementierung. Außerdem birgt diese Option auch das geringste Risiko einer Betriebsunterbrechung.

Fokus auf Innovation

Wenn Ihr Schwerpunkt auf Innovation und nicht auf der Migration eines Altsystems oder einer umfassenden Implementierung liegt und Sie das Beste aus S/4HANA herausholen wollen, kann OutSystems Sie unterstützen. Mit OutSystems können Sie mit der Modernisierung Ihrer Applikationen beginnen, um sich auf eine hybride Migration vorzubereiten. So können Sie weiterhin innovativ sein und sich gleichzeitig auf eine saubere Migration vorbereiten, bei der SAP wieder für das eingesetzt wird, was es am besten kann.

Darüber hinaus kann OutSystems auch bei einer Greenfield-Implementierung oder einer vollständigen Migration zum Einsatz kommen und Innovationen auf andere Weise ermöglichen. Zum Beispiel, um Applikationen für die neue Installation zu erstellen oder um angepasste Legacy-Apps, die Teil des „Lift-and-Shift“ sein müssen, neu zu schaffen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer SAP-Seite.